Prolog

Life is good!

Ich habe nur dieses eine Leben, daher nehme ich es so, wie es ist. Und sehe es positiv!
Warum sollte ich es mir selber schwer machen und schwarz sehen?
Positiv denkend, positiv gestimmt, geht vieles leichter und letztendlich erfolgreicher.

Do what you like.
Like what you do.

Umzug …

Nach einem kompletten Umbau und Redesign meiner Homepage, habe ich auch meinen Blog dorthin umziehen lassen.

Screenshot

Ab sofort lautet meine Blogadresse http://blog.wein-wissen.de oder ausgeschrieben http://www.wein-wissen.de/ww/index.php/startseite/blog/

Screenshot_blog

Wie gefällt Euch / Ihnen das neue Design?

Frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2011!

Weihnachtskarte_2010_online

Mit diesem Spruch von John Lennon aus dem Jahr 1972 möchte ich allen meinen Freunden, Followern und Lesern schöne Weihnachtstage und einen tollen Start in das Jahr 2011 wünschen.

Euer / Ihr
Peer F. Holm

Wein-Karikaturen

Noch ein vinophiles Wei(h)nachstgeschenk gesucht?
Schon gefunden!

malen

In seinem Buch “VINITO – Wein-Karikaturen” nimmt sich der Oberösterreicher Rupert Hörbst das Thema Wein vor.

Vom Winzer über den Önologen, den Händler, den Koch, den Sommelier und den Weintrinker, vom Astronauten über den Bettler, den Kleriker, den Musiker bis hin zum Vampir. Alle kriegen sie ihr fett ab.

Hier ein paar Eindrücke aus dem Buch:

Für mich ein absoluter Kauftipp!
Aber Vorsicht: es geht bissig zu …

Da die Texte viersprachig sind, ist es auch ein ideales Geschenk für Kollegen und Freunde aus dem Ausland.

VINITO – Wein-Karikaturen
Hörbst, Rupert
ISBN 978-3-9806925-8-8
60 Seiten, Hardcover
14,90 €
z.B. bei amazon.de

Ihr findet den Autor Rupert Hörbst auch auf Facebook wo er regelmäßig Bilder zeigt. Auf seiner Website gibt es weitere Bilder aus dem Buch zu sehen.

Herdade dos Grous, VR Alentejo

Nach längerer Schreib-Abstinenz nun gleich ein Vierer-Pack: die Rotweine der Herdade dos Grous aus dem Alentejano.

Das Weingut der deutschen Familie Pohl liegt südlich der Stadt Beja, im Herzen des Alentejo. Mehr Infos zum Weingut an sich findet man auf der Website des Landgutes.

Die Weine (von links nach rechts):

Grous_rot2008
Herdade dos Grous
tinto

2008
Herdade dos Grous Reserva tinto

2008
Herdade dos Grous Moon Harvested

2008
Herdade dos Grous
23 Barricas

Der einfache Tinto ist eine Cuvée aus Aragonês, Syrah, Alicante Bouschet und Touriga Nacional.
Von der Farbe ein sattes Purpurrot mit deutlich violettem Rand.
Im Geruch springen mir sofort rote Beeren und Sauerkirschen entgegen, gefolgt von einer herben Fruchtkomponente und würzigen Anklängen.
Am Gaumen setzt sich die fruchtbetonte Art fort. Hinzu kommt ein jugendliches Tannin und eine lebendige Säure. Zum Ende hin erscheinen Noten von Bitterschokolade und Nüssen. Eine dezente Holzwürze erscheint im Abgang.
Ein guter Start!

Der Reserva ist eine ähnlich Cuvée, nur mit anderen Schwerpunkten: Touriga Nacional und Alicante Bouschet werden von Tinta Miúda ergänzt. Da es in Portugal keine Mindestlagerzeit für Reservaweine gibt, findet man häufig Reservas die vom gleichen Jahrgang sind wie der normale Wein des Gutes.
Die Farbe ist ebenso Purpurrot mit violetten Reflexen, hat aber eine höhere Farbdichte und einen fast schwarzen Kern.
In der Nase kommt zunächst eine rauchige Note hervor, gepaart mit Wildkräutern und ätherischen Tönen. Die Frucht hält sich eher im Hintergrund, geht aber auch eher in die herbe Richtung.
Am Gaumen erscheint zunächst jugendlich forderndes Tannin. Sauerkirsche, Holunder, schwarze Johannisbeere und Bitterschokolade. Dann salzig-mineralische Noten. Viel Würze.
Für mich ein Wein mit Potential, der aber auch noch 2-3 Jahre ruhen sollte, bevor er getrunken wird.

Der Moon Harvested ist ein rebsortenreiner Alicante Bouschet, der entsprechend der Mondphasen gelesen und vinifiziert wurde.
Die Farbe ist auch hier wieder ein sehr dichtes Purpurrot mit violettem Rand und schwarzem Kern.
In der Nase wirkt der Wein gradliniger, geprägt von Sauerkirsche und Lavendel mit mineralischen Aspekten.
Am Gaumen wieder eine betonte Frucht und eine lebhafte Säure. Sauerkirsche trifft es hier wirklich auf den Punkt.

Der 23 Barricas ist eine Cuvée aus Touriga Nacional und Syrah. Eine Selektion der 23 besten Fässern dieser beiden Rebsorten. Gelagert wird für 12 Monate in Barriques aus französischer Eiche.
Die Farbe ist ähnlich dicht wie bei den anderen Weinen, jedoch zeigt sich der Rand eher Rubinrot.
Die Nase ist zum jetzigen Zeitpunkt von der Holzwürze geprägt. Toffee, Mocca aber auch balsamische Noten. Dann ätherische Kräuterwürze.  Eine spannende Veränderung und Entwicklung im Glas: nach einiger Zeit kommen eingekochte Beeren ohne marmeladig zu wirken. Datteln im Speckmantel.
Am Gaumen dann zunächst eine unerwartete Weichheit. Der Körper ist kompakt und noch recht verschlossen. Der Wein schreit nach Luft …  … viel Luft.
Wenn man den Wein jetzt trinken möchte, sollte man ein gegrilltes T-Bone-Steak, englisch, dazu nehmen. Dazu Rosmarinkartoffeln und eine Sauce mit Spice. Oder aber noch 3-5 Jahre warten …

Insgesamt eine stimmige Linie. Die Weine verlangen Speisenbegleitung um die Ungestümtheit etwas zu bändigen; oder aber etwas mehr Reife auf der Flasche. Der normale Tinto kann auch jetzt schon einfach so mit Genuss getrunken werden.

Das Weingut gehört zur Gruppe der Vila Vita Hotels. Somit ist es durchaus vorstellbar, dass die Weine des eigenen Weingutes in den 4- und 5-Sterne-Häusern der Gruppe, auch mit einer größeren Jahrgangstiefe auf der Karte stehen. Ein Versuch ist es Wert!

Eine Woche in Brasilien

Auf Einladung von “Wines from Brazil” habe ich mir eine Woche lang den Weinbau im Süden von Brasilien angesehen. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Das, was ich als “typisch Brasilianisch” im Kopf hatte, habe ich so gut wie nicht gesehen. Dafür vieles andere, was mich fasziniert hat.

Zunächst musste ich mir erst einmal der Dimension des Landes Brasilien bewusst werden …

Man kann sich das Land ungefähr als Dreieck vorstellen. Die größte Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt rund 4.200 km. 419px-South_America_location_BRA[1] Fast ebenso groß ist die Ost-West Ausdehnung. Wenn man die nördliche Spitze auf London legt, ist der südlichste Punkt in Zentralafrika. Der Inlandsflug von Rio de Janeiro nach Porto Alegre dauert 2,5 Stunden und ist mit einem Flug von Köln nach Madrid vergleichbar. Bei einer Fläche von über 8,5 Millionen km² (24 mal so groß wie Deutschland), bedeckt Brasilien fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinents.
Die Größe des Landes war mir in diesem Umfang nicht bewusst.

Die Bevölkerung von rund 190 Millionen Einwohnern (nur das 453px-Bev%C3%B6lkerungsdichte_Brasilianischer_Bundesstaaten[1] 2,5  fache im Vergleich zu Deutschland) konzentriert sich an der Ost- und Südküste. Dort lebt etwa 90% der Gesamtbevölkerung. 70% der Bevölkerung Brasiliens, über 130 Millionen Menschen, lebt in Großstädten, allen voran in São Paulo mit etwa 20,5 Millionen Einwohnern und Rio de Janeiro mit etwa 11,4 Millionen. Es gibt noch etliche weitere Millionenstädte in Brasilien, deren Namen mir vorher nicht geläufig waren.

Viele weitere spannende Details über dieses Land kann man bei Wikipedia finden, von wo die beiden Abbildungen sind.

Der Weinbau findet größtenteils im Süden Brasiliens statt. Vier der sechs Anbaugebiete befinden sich hier. Mapa-Wines600[1]Ein weiteres – Planalto Catarinense – befindet sich im nördlich benachbarten Bundesstaat Santa Catarina. Nur die Region Vale do São Francisco befindet sich deutlich weiter im Norden, zwischen dem 8. und 9. Breitengrad. Insofern war die Anreise über Porto Alegre nach Bento Gonçalves sinnvoll. Mit 50.000 ha sind etwa 60% des Weinbaus Brasiliens in diesem südlichsten Bundesstaat namens Rio Grande do Sul. Auch liegt hier die erste und bisher einzige geschützte geographische Herkunftsregion “Vale dos Vinhedos” mit etwa 8.000 ha Rebfläche.

Bei allen Flächenangaben muss man in Brasilien beachten, dass  von den rund 90.000 Hektar nur 10.000 Hektar mit Vitis-Vinifera-Reben bepflanzt sind, aus 800px-Stammbaum_Reben_01[1]denen dann “Vinho Fino” gemacht werden kann. Der Rest ist vor allem mit Amerikaner-Reben der Gattung Vitis-Labrusca bepflanzt, die für ihren eigentümlichen Foxton bekannt sind, einem an Katzen-(Fuchs-)urin, intensiven Geranienblüten und Ginster erinnernden, leicht stechendem Aroma. Interessehalber habe ich im Verlauf der Reise auch zwei “Vinho Commun” verkostet, wie diese Weine genannt werden. Eine interessante Erfahrung, aber nichts, was ich mit Genuss trinken würde. Mich hat es an Weine mit Geranienton erinnert.

Aufgrund des im Süden sehr feuchten Klimas – 1.400 bis 1.800 mm Niederschlag pro Jahr sind üblich – hat man vor allem mit Fäulnis und Pilzbefall zu kämpfen. Da verwundert es nicht, dass der Anteil der Schaumweinproduktion sehr hoch ist, da hier die Trauben doch deutlich früher gelesen werden um höhere Säurewerte zu erhalten. Umso mehr verwunderte es mich, dass wir kaum einen guten Weißwein verkostet haben. Vielleicht sind wir hier einfach aufgrund der deutschen Weißweine verwöhnt …

Bei den Rotweinen wird mit einer Vielzahl von bekannten Rebsorten gearbeitet. Auffällig war, dass die Merlots oft die besten Weine der Kellereien waren. Auch Weine aus Cabernet Franc haben sich gut präsentiert, wohingegen sich die Weine aus Cabernet Sauvignon oft schwer taten. Meines Erachtens fehlte meist die notwendige Traubenreife. Positive Überraschungen waren für mich auch Weine aus mit noch unbekannten Rebsorten wie Marselan (Kreuzung von Cabernet Sauvignon x Garnacha tinta) und Egiodola (Kreuzung von Fer Savadou x Abouriou), sowie ein paar Vertreter der aus dem Trentino bekannten Sorte Teroldego.

Hier einige bemerkenswerte Weine, die ich im Verlauf der Reise verkosten konnte:

  • Casa Valduga
    • 2006 Identidade Marselan
    • Espumante 130 Brut
  • Pizzato
    • 2005 Reserva Merlot
    • 2005 Reserva Egiodola 
  • Miolo
    • 2008 Merlot Terroir
    • 2006 Espumante Millesimé Brut
  • Lidio Carraro
    • 2005 Grande Vindimia  Merlot
    • 2006 Grande Vindimia Quorum (Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Tannat)
  • Salton 
    • 2006 Talento (Cabernet Sauvignon, Merlot, Tannat)
    • 2006 Desejo Merlot
    • 2007 Séries Teroldego
    • Espumante Reserva Ouro Brut
    • Salton produziert als eine der wenigen besuchten Kellereien auch eine gute Einstiegslinie
    • Besonderheit zum Verkosten (nicht wirklich zum Trinken …): Weine von Amerikanerreben mit dem “berühmten” Foxton
  • Santo Emílio
    • 2010 Cellebrato Moscatel Espumante
  • Cordilheira de Sant’Ana
    • 2005 Chardonnay Reserva Especial
    • 2008 Chardonnay Reserva Especial
    • 2004 Cabernet Sauvignon Reserva Especial
  • Dal Pizzato
    • 2009 Touriga Nacional
  • Piagentini
    • 2006 Espumante Decima Brut Gran Reserva (Viognier, Chardonnay)
  • Cordelier
    • 2005 Cordelier Equilibrium (Cabernet Sauvignon, Merlot, Ancellotta)

Zusammenfassend denke ich, dass sich viel tut in Brasilien, aber auch noch viel getan werden muss.

2006 Ferrer Bobet, DOC Priorat, 15%

Das ist doch mal eine Farbe im Glas: tiefes, klares Purpur- bis Rubinrot mit violetten Einschlägen und wässrigem Rand.

FerrerBobet2006

In der Nase zunächst nur eine verhaltene Frucht. Etwas Sauerkirsch, Johannisbeere und Holunder. Hinzu kommt eine würzige Note. Feine Kräuter, Zedernholz, Tannennadeln, ätherische Noten. Dann rauchige Anklänge, etwas balsamische Erinnerungen. Anschließend wieder die Frucht. Pflaume und Zwetschge. Sehr vielfältig und komplex, aber nicht erschlagend und fett, sondern elegant und fein verwoben. Auch mineralische Eindrücke sind auszumachen. Je länger der Wein im Glas ist, desto mehr Aromen gesellen sich hinzu. Immer wieder ein neuer Eindruck.

Ich hatte am Gaumen mit einer Wuchtbrumme gerechnet, schließlich hat der Stoff 15% … Der Eindruck ist jedoch ein ganz anderer. Am Gaumen ist er zunächst erstaunlich schlank. Und das finde ich gut so! Die Frucht, die Kräuter und die Würze vom nasalen Eindruck bestätigen sich. Besonders die Sauerkirsche mit einer belebenden, feinnervigen Säure macht sich bemerkbar. Unterstützt wird dies durch eine würzige Komponente, die mich an Salmiak und Lakritz erinnert. Dann Blaubeeren und wieder Holunder. Die Tannine sind präsent; reif und harmonisch. Erstaunlich welch Länge der Wein hat.

Für mich ein ungewöhnlich eleganter Vertreter aus dem Priorat. Einer der wenigen Vertreter, bei denen ich direkt Lust nach einem weiteren Glas verspüre. Nicht, dass ich Priorats nicht mag, aber die einen sind so gewaltig, dass sie mir den Atem verschlagen und ich mich kaum traue, ein zweites Glas zu trinken, und die anderen sind plump und modern “gemacht”. Die letzteren sollen Punkte bei Mr. P abräumen. Es fehlt Ihnen nur an Authentizität und Charakter …

Ich bin gespannt auf den 2007 Ferrer Bobet Selecció Especial der noch bei mir im Keller liegt. Mal sehen wie der sich präsentiert. Stay tuned …